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Es war am 14. August
1901, als in den frühen Morgenstunden, unweit von Bridgeport,
im US-Staat Connecticut, ein schnittiger Eindecker vom Boden abhob.
Am Steuer sein Erfinder und Konstrukteur der gebürtige Leutershausener
Gustav Weißkopf. Eine halbe Meile weit trug ihn dieser Flug mit
seiner "Nr. 21", angetrieben durch von ihm selbst gebaute
Motoren. Weißkopf, der in die Vereinigten Staaten eingewanderte
Franke, landete seine Flugmaschine sanft und unbeschädigt. Zwei
Jahre, vier Monate und drei Tage vor dem Flug der Gebrüder Wright
gelang damit dem Pionier Weißkopf bereits sein erster Motorflug.
Auf dem Höhepunkt seiner Schaffensperiode war Weißkopf sehr
erfolgreich und bekannt; wurde dann aber beschimpft, als Schwindler
denunziert und letztendlich totgeschwiegen. Jahre nach seinem Tod,
als sich die durch Kriege geschürte Aversion und Antipathie und
die damit verbundene Voreingenommenheit zu legen begann, als sich für
den Flugpionier eine Chance der Anerkennung abzuzeichnen schien, wurde
der aus Deutschland stammende Weißkopf das Opfer einer vertraglichen
Abmachung. Geschlossen wurde dieser Vertrag zwischen den rechtlichen
Erben der Gebrüder Wright und dem Smithsonian Institut. Letzteres
stellt sich bis heute allen formellen und objektiven Begutachtungen
des angesammelten Beweismaterials in den Weg.
Am 1. Januar 1874 wurde Gustav Albin Weißkopf als zweites Kind
der Eheleute Babette und Karl Weißkopf -letzterer war Bauaufseher
beim Eisenbahnbau- in Leutershausen bei Ansbach im mittelfränkischen
Bayern geboren. Bereits als kleiner Junge brachten ihn seine Papierdrachenexperimente
und Luftfahrtfantasien den Spitznamen "der Flieger" ein.
Schon sehr früh interessierte er sich für den Vogelflug und
begann mit einem Freund Vögel zu fangen. Sie banden den Tieren
Bindfäden an die Beine und beobachteten so den "gefesselten"
Vogelflug. Die Polizei verbot den jungen Forschern diese Tierquälerei.
Gustav war aber kein bloßer Träumer; in ihm regte sich ein
starkes Interesse für die Technik. Eines Sonntags stand er mit
seinen guten Schuhen in einem Bach, um Wasserräder auszuprobieren.
Trotz der beschädigten Schuhe, die damals fast unerschwinglich
waren, brachte Vater Karl es nicht übers Herz, ihn dafür
zu bestrafen. Er zeigte sich dem Wissensdrang seines Sohnes gegenüber
aufgeschlossen.
Seine unbeschwerte Kindheit und das Familienleben nahmen bald ein jähes
Ende; mit dreizehn Jahren wurde er Vollwaise. Nach einer abgebrochenen
Lehre und anschließender Ausbildung als Schlosser fuhr er nach
Hamburg. 1888 wurde er dort von der Besatzung eines Seglers "schanghait".
Im Jahre 1889 kehrte Weißkopf noch einmal nach Deutschland zurück
und schloß sich einer Familie an, die nach Brasilien auswanderte.
Weißkopf hielt es jedoch in Brasilien nicht. Er fuhr von dort
aus mehrere Jahre zur See, und es gibt nur spärliche Hinweise
auf seinen Verbleib. Über die Jahre hinweg bewahrte er sich seinen
Hang zum Fliegen. An Bord verschiedener Schiffe wurde er mit der Takelage,
mit Wind und Wetter vertraut und es bot sich ihm Gelegenheit, See-
und Landvögel zu beobachten sowie englisch zu lernen. Weißkopf
notierte sich während dieser Zeit einen Zeitungsartikel, in dem
die Frage gestellt wurde, warum es dem schöpferischen Menschen
eigentlich versagt bleiben soll, nach den Weltmeeren nun auch das "Luftmeer"
beherrschen zu lernen. Später erlitt Weißkopf Schiffbruch,
landete 1894 schließlich in den Vereinigten Staaten und beschloß,
für immer dort zu bleiben.
Für das Jahr 1897 sind seine Versuche mit Segelflugzeugen in Boston
belegt. Im Auftrag der Bostoner Aeronautical Society wurde Weißkopf
von dem Verleger J. B. Millet für das Bauen und Fliegen von Segelflugzeugen
eingestellt. Es entstanden mehrere Segelflugzeuge, von denen eines
dem Lilienthalgleiter nachempfunden war, welches auch tatsächlich
für kurze Strecken vom Boden abhob. Albert B. C. Horn, ein Assistent,
schrieb: "ein Leichtgewicht wäre wohl weiter geflogen als
Weißkopf ...". Aus Zeitungen geht hervor, daß Weißkopf
1897 in Neu York bei der Spielzeug- und Sportartikelfirma Horsman angestellt
war, dort Drachen baute und steigen ließ.
Hier lernte er auch seine zukünftige Ehefrau, die eingewanderte
Ungarin Luisa Tuba kennen. Beide heirateten in Buffalo am 24. November
1897. Auf dem Trauschein gibt er seinen Beruf als "Aeronaut"
an.
Für die folgenden zwei Jahre ist Weißkopfs Aufenthalt u.a.
in Baltimore nachweisbar. Aus Zeitungsartikeln geht hervor, daß
er Versuche mit Segelflugzeugen unternahm. Es ist ferner belegt, daß
er während dieser Zeit auch an Motoren arbeitete.
1899 fand er Arbeit in einem Kohlebergwerk bei Pittsburgh. Hier lernte
er Louis Darvarich kennen, mit dem er sich anfreundete. Dieser ging
Weißkopf beim Flugzeugbau zur Hand. Eine eidesstattliche Erklärung
vom 19. Juli 1934 bestätigt, daß Darvarich, als Beteiligter,
Zeuge eines exzeptionellen Ereignisses von flughistorischer Relevanz
geworden war: "Es war entweder im April oder im Mai 1899, als
ich zugegen war und mit Mr. Whitehead (Weißkopf) flog, dem es
gelang, seine von einem Dampfmotor angetriebene Maschine vom Boden
abzuheben. Der Flug in etwa 8 m Höhe erstreckte sich etwa über
eine Meile. Er fand in Pittsburgh statt und zwar mit Mr. Whiteheads
Eindecker. Dabei gelang es uns nicht, ein dreistöckiges Gebäude
zu umfliegen, und als die Maschine abstürzte, trug ich von dem
Dampf schwere Verbrennungen davon, denn ich hatte den Kessel beheizt.
Deswegen mußte ich einige Wochen im Krankenhaus verbringen. Ich
erinnere mich genau an den Flug. Mr. Whitehead war unverletzt, denn
er hatte im Vorderteil der Maschine gesessen und sie von dort gelenkt."
Es gab Leute, die sich an den Flugzeugabsturz erinnerten. So berichtete
der Feuerwehrmann Martin Devane, den man an den Unfallort gerufen hatte:
"... ich glaube, ich kam unmittelbar nach dem Aufprall der Maschine
an, die einen Wohnhausneubau aus Backstein auf dem O'Neal-Anwesen gerammt
hatte. Ich erinnere mich auch an einen Verletzten, der ins Krankenhaus
gebracht wurde. Den Erfinder Gustave Whitehead konnte ich auf einem
mir gezeigten Bild identifizieren."
Von Pittsburgh zog Weißkopf im Jahre 1900 nach Bridgeport. Im
Keller einer Mietwohnung begann er im Sommer 1901, nach seiner Tagschicht,
bis tief in die Nacht hinein an Flugzeugentwürfen zu arbeiten
und Motoren zu bauen. Ein gewisser Mr. Miller bot Weißkopf finanzielle
Unterstützung in Höhe von $ 300.00 an. Mit diesem Geld baute
er sich hinter dem Haus eine kleine Werkstatt. Junius Harworth, der
oftmals Weißkopf zur Hand ging, erinnerte sich, daß der
Erfinder nach dem Werkstattbau sich an die Instandsetzung und Modifizierung
einer aus Pittsburgh mitgebrachten "Dampfmaschine" machte.
Diese war bei einem früheren Versuchsflug beschädigt worden.
Laut Harworth lief die Maschine nach der Überholung einwandfrei.
Weißkopf erwarb sich rasch einen Ruf als Maschinenbauer. Dadurch
wurde ein junger Einwanderer, namens Anton Pruckner, der gerade eine
vierjährige Werkstattausbildung in Ungarn abgeschlossen hatte,
auf ihn aufmerksam. Pruckner schloß sich Weißkopf an und
avancierte mit der Zeit zu dessen wichtigsten Assistenten.
Es ergab sich, daß das Jahr 1901 Weißkopfs arbeitsreichstes
und bedeutsamstes wurde. Dem historischen Flug vom 14. August 1901
waren viele kurze "Hüpfer" vorangegangen, die auf wesentliche
Fortschritte hindeuteten und den Pionier zu ständig größeren
Bemühungen antrieben. Zu jener Zeit experimentierte er mit einem
Flugapparat, dessen zurückklappbare Tragflächen den Transport
durch die Stadt erleichterten, um an einen geeigneten Startplatz zu
kommen. Weißkopfs "Nr. 21" war ein gefällig aussehender
Eindecker mit Tragflächen, ähnlich den Fledermausflügeln,
von 36 Fuß Spannweite. Er flog diesen im Sommer 1901 von der
Howard Avenue East nach Wordin Avenue, und zwar entlang der Grenzlinie
eines dem Gaswerk gehörenden Geländes. Wie sich Harworth
erinnerte, wurde die Maschine nach der Landung einfach herumgedreht
und ein weiterer "Hüpfer" zurück zur Howard Avenue
unternommen. Diese Versuchsflüge waren für den späteren
Erfolg sehr wichtig.
Im "Bridgeport Herald" (einem Sonntagsblatt) wurde am 18.
August 1901 von einem Flug vom 14. August berichtet, der sich über
eine "ganze" halbe Meile erstreckte. In dem Bericht heißt
es, daß Richard Howell, der Herausgeber der Zeitung, James Dickie
und Andrew Celli, Weißkopfs Assistenten und der Erfinder selbst
vor Ort in Fairfield anwesend waren. Nach einem vorsichtigen ersten
Versuch, bei dem Ballast den Piloten ersetzte, wurde dieser entfernt
und Weißkopf bediente das Steuer selbst. Nach dem Starten der
Propeller konnten Dickie und Celli die Maschine nicht länger am
Boden halten. Auf Weißkopfs Ausruf hin ließen die beiden
los, und "dann standen der Zeitungsmann und die Assistenten sprachlos
da und beobachteten das Luftschiff mit Verwunderung ... wie es etwa
50 Fuß über dem Boden dahin flog ...". Dem Piloten
gelang es, ein paar Kastanienbäume zu umfliegen, indem er sich
auf die eine Seite lehnte und damit den Eindecker in Schräglage
brachte. Dann stellte er die Motoren ab und setzte behutsam wieder
auf dem Boden auf. Der "New York Herald" und das "Boston
Transcript" berichteten über das Ereignis am 19. August 1901;
selbst die "Wiener Luftschiffer Zeitung" druckte einen Bericht
hiervon.
Anton Pruckner, mit dem Weißkopf viele Flüge unternommen
hatte, leistete folgenden Eid: "Ich schwöre, daß ich
bei dem Flug am 14. August 1901 dabei gewesen bin. Dieser Flug erstreckte
sich über etwa eine halbe Meile und hob die Maschine ungefähr
50 Fuß in die Luft. Das Flugzeug zog einen Halbkreis und landete
ruhig und ohne Schaden für den Flugkörper und Piloten Mr.
Weißkopf." Ferner versicherte Junius Harworth in einer eidesstattlichen
Erklärung, daß "... ich am 14. August 1901 zugegen
war, als Mr. Weißkopf seine durch Motor und Propeller angetriebene
Maschine bei Lordship Manor im Bundesstaate Connecticut flog .... was
etwa vier Minuten in Anspruch nahm".
An Tetsttagen unternahm Weißkopf mehr als nur einen Flug, es
sei denn, daß die Maschine zu Schaden gekommen wäre. Abweichungen
von Zeugenberichte von einander erklären sich aus der Tatsache,
daß am 14. August 1901 vier Flüge vorgenommen wurden.
Es war vor allem Weißkopfs eigene Unzufriedenheit mit dem Geleisteten,
die wesentlich dazu beitrug, daß er unbekannt blieb. Zu Pruckner
sagte er einmal: "Diese Flüge taugen alle nichts, weil sie
nicht lange genug anhalten. Hinfliegen können wir noch nicht überall.
Das Fliegen wird erst dann eine Bedeutung erhalten, wenn wir jederzeit
an jeden beliebigen Ort fliegen können".
Als eine seiner Entdeckungen um die andere fremden Leuten als Verdienst
zugerechnet wurde, die sich vor aller Welt ihrer Pionierleistungen
auf diesem Gebiet brüsteten, und andere ihn mit dem Flugzeugbau
überflügelten, verlor Weißkopf die Lust. Mit dem Ersten
Weltkrieg kamen dann noch Verunglimpfungen sowie Vorurteile gegenüber
Deutschen hinzu. Am 10. Oktober 1927, im Alter von nur 53 Jahren, starb
Weißkopf in Fairfield. Er hinterließ seiner Familie nur
das selbst erbaute Haus, ein kleines Grundstück, sowie ganze acht
Dollar
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"Flugpionier-Gustav-Weißkopf-Museum" Plan 6, 91578 Leutershausen.
Tel: 09823/951-0 oder Fax:
09823/951-50 (Stadtverwaltung)
Öffnungszeiten: Von Ostern bis einschl. Oktober, außer
Sa, täglich von 10.00 - 12.00 Uhr
sowie Mi + So 14.00 - 16.00
Uhr, und nach Vereinbarung.
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Dieser Text
beruht auf Briefen, Augenzeugenaussagen, Berichten, Veröffentlichungen,
Publikationen
sowie Forschungsunterlagen der "Flughistorischen Forschungsgemeinschaft
Gustav Weißkopf" und
wurde von
Matthias Lechner, (ehem. 1. Vorsitzender) der FFGW, zusammengetragen
und aufbereitet.
Zeichnung, Gestaltung und Satz: M. Lechner, Leutershausen.
(c) 1998 by
FFGW, 91578 Leutershausen |
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